Zurück zu den Wurzeln
Kurz entschlossen den Rucksack gepackt und über die Fußgängerbrücke rüber zum Domestic Terminal am guten alten Don Muang Airport.
Bis dorthin sind es weniger als 30 Minuten zu Fuß von seiner Basis in Bangkok ausgesehen. Von dort geht der angenehm gekühlte Tunnel zum International Terminal hinüber. 473 Meter oder so.
Hans fühlt sich mal wieder in seinem Element. Es ist schon ein paar Jährchen her, dass er alleine vor dem Thai Limousine Schalter im international Terminal stand und auf die Frage:
“Taxi Sir?”
“Bai Pattaya khap” antwortete,
sogleich von dem süßestem Lächeln der Dame hinter dem Schalter gekontert:
“Bai duai, khaaaaa.”
Das « khaaa in höchsten Tönen gesungen.
Wie oft hatte er der Verführung, die sicher meist nur in seiner Fantasie eine war, widerstanden. Nicht zuletzt, weil jemand in Patty auf ihn wartete. Bis auf einmal. Das wurde die erste versaute Taxi-Tour seines Lebens. Es ging noch über die Sukhumvit als Landstrasse Richtung Chonburi mit dem wasserführenden Graben zwischen den Fahrtrichtungen. Nach acht Wochen Wüste kam ihm der “blow job” auf dem Rücksitz wie ein willkommener Kultur-Schock vor. Doppelt genossen.
Wehmütig aber wohlig denkt Hans an längst vergangene Zeiten und nähert sich dem Thai Limousine Schalter.
“Hello Sir, where do you like to go?” fragt eine süße, leicht mollige schwarzhaarige Dame, die ordentlich was unter der weißen Bluse trägt.
“Bai Pattaya, khap” ist seine Antwort wie von früher gewohnt und aus einem Reflex entsprungen, der 20 Jahre jünger als sein wirkliches Alter ist.
“Bai duai, khaaaa” antwortet sie mit einem unverschämten Lächeln und vor Hans’ geistigem Auge sieht es so aus, als ob sich ihre Blusen-Knöpfe wie von alleine öffnen. Selbst ihr Mund scheint angenehm sündiges zu versprechen.
Hans freut sich. Es gibt Konstanten im Leben. Und gerade begegnet er solch einer Konstanten.. Er ist zwar ein Zigeuner, aber solche Erlebnisse beruhigen ihn, geben ihm verlässliche Koordinaten, an denen er sich entlang angeln kann um Neues zu wagen.
So lächelt er einfach sentimental aber kommentarlos und übergibt seinen Rucksack dem Fahrer, nicht ohne vorher 2000 Baht bezahlt zu haben.
Nein, er hat nicht gehandelt oder mit dem Preis gehadert, denn Hans ist auf Hansel-Tour. Mal einfach wieder nur tun, wozu das Thai-Lächeln ermutigt. Mal einfach wieder so handeln, als ob er wirklich der schönste, smarteste und netteste „Farang“ auf Erden wäre. Gehirn und jeglicher „common sense“ abgeschaltet. Geld ist Nebensache und lediglich Mittel zum Zweck. Der Zweck ist die Aufrechterhaltung der Illusion.
Die Entscheidung fällt für den Bang Na Motorway und nicht für die Chonburi-Stelzen-Autobahn. So sieht Hans zum ersten mal die Exit Schilder zum neuen Airport „Suvarnabhumi“, altindisch für “the land of gold.” Das „i“ am Ende wird nicht ausgesprochen.
Die Zeiten haben sich geändert. Als Hans erstmals in Don Muang landete, war der alte Airport eine einzige Baustelle, die “neuen” Terminals im Bau. Um so mehr festigt sich nun seine Überzeugung, dass es mal wieder Zeit für “Hansel Time” ist. Zurück in den wohltuenden Schoss der professionell weiblichen Thai-Bauchpinselei, die, wenn für Ernst genommen, Massage für die Seele und Droge fürs Hirn ist.
Um 20 Minuten vor 11 erreichen sie die Fast Food Raststätte auf der Höhe von Chonburi. Hans kauft ein paar Carabao, Lipo und Singh im 7/11 und muss leider feststellen, dass er das Bier nicht mitnehmen darf. Es ist noch keine 11 Uhr.
Schade, eine Konstante weniger. Aber was soll’s. Die haben Glück gehabt, dass er nicht gerade wie früher aus Saudi kommt. Dann hätte es nämlich eine gehörige Szene gegeben. Von wegen, ob sie denn alle muslim-mässig übergeschnappt und Kamelfi**er wären.
Egal. Hans weiß nun, dass er sich ganz besonders auf seine Hanselnummer in Patty konzentrieren und die Konstanten ausloten und wenn nötig, neue Rituale an den Bier-Bars erfinden wird.
Der Fahrer ist Ok und sagt: “you want smoke?“ und genehmigt sich selber eine. “mai put my company sign in Pattaya.”
was bedeutet, dass er, der Fahrer, sich bei der Ankunft in Pattaya im Thai Limousine Büro registrieren muss und Hans dort gefälligst die Klappe übers Rauchen halten soll.
Schon wieder ein Konstante. Hans wundert sich langsam, ob ihm dieser Trip was neues bringt oder nicht.
Das Thai Limousine Büro Pattaya ist gerade mal eine Seitenstrasse von der Soi Wongamat entfernt, nämlich dort, wo die Dice Disco ist, eine Seitenstrasse der Naklua Road nicht weit von der Susi Bar.
Die Empfangsdame möchte Hans zu gewissen Touren überreden, aber Hans macht ihr klar, dass er sein Town House in der Soi Wongamat zwecks Plünderung besucht. Sie wechselt sofort die Strategie und bewundert seinen Ring, den er sich vor 20 Jahren in Thailand hat machen lassen. Welche Steine es wären, in welchem Geschäft gekauft, ob er verheiratet wäre, ob sie ihn zum Haus begleiten dürfe, etc.
Hans ist aber noch nicht ganz angekommen und noch nicht bereit zum Hanseln.
Kurz vor seinem Town House trifft er Brian, seinen langjährigen und konstanten Nachbarn. Er erzählt, wie Hans’ bester Freund Ostern gestorben ist, nämlich kurz und entschlossen, genauso, wie er gelebt hat.
Hans und Werner hatten sich das Town House vor 10 Jahren zusammen gekauft. Werner hat sich nach seiner Entlassung von einer globalen Firma vom Arbeitsamt verabschiedet und ist für immer in Thailand geblieben. Er war einer der ersten Drachenflieger Deutschlands und hat sich fast alle seine Knochen gebrochen. Sein Körper war ihm lediglich eine zu herausfordernde Hülle für seine hohen Ansprüche an die ungesunden aber spaßmachenden Dinge des Lebens.
Werner hat seinen Tod mit 62 Jahren redlich verdient. So viel steht fest.
Brian ist drauf wie immer und schwätzt viel über Werners langjährige Freundin, die gerade in Deutschland weilt. Hans steht nicht besonders auf Labereien der Nachbarn über Nachbars Holden und geht die paar Schritte zu seinem Haus.
Werners Freundin hatte ihn vorher von Deutschland aus ein paar mal angerufen und nach Geld gefragt. Nach viel Geld. Vorher würde sie nicht ausziehen.
Das war’s. Eine weitere Konstante in Hans’ Leben. Wer ihm Bedingungen stellt, hat schon verloren.
Als Hans sein Haus betritt, macht ihm ein gespielt scheues aber modern und ziemlich sexy gekleidetes Mädel im eng ausgeschnittenen Top und kurzen Höschen , Anfang 20, den wai….
Kurz entschlossen den Rucksack gepackt und über die Fußgängerbrücke rüber zum Domestic Terminal am guten alten Don Muang Airport.
Bis dorthin sind es weniger als 30 Minuten zu Fuß von seiner Basis in Bangkok ausgesehen. Von dort geht der angenehm gekühlte Tunnel zum International Terminal hinüber. 473 Meter oder so.
Hans fühlt sich mal wieder in seinem Element. Es ist schon ein paar Jährchen her, dass er alleine vor dem Thai Limousine Schalter im international Terminal stand und auf die Frage:
“Taxi Sir?”
“Bai Pattaya khap” antwortete,
sogleich von dem süßestem Lächeln der Dame hinter dem Schalter gekontert:
“Bai duai, khaaaaa.”
Das « khaaa in höchsten Tönen gesungen.
Wie oft hatte er der Verführung, die sicher meist nur in seiner Fantasie eine war, widerstanden. Nicht zuletzt, weil jemand in Patty auf ihn wartete. Bis auf einmal. Das wurde die erste versaute Taxi-Tour seines Lebens. Es ging noch über die Sukhumvit als Landstrasse Richtung Chonburi mit dem wasserführenden Graben zwischen den Fahrtrichtungen. Nach acht Wochen Wüste kam ihm der “blow job” auf dem Rücksitz wie ein willkommener Kultur-Schock vor. Doppelt genossen.
Wehmütig aber wohlig denkt Hans an längst vergangene Zeiten und nähert sich dem Thai Limousine Schalter.
“Hello Sir, where do you like to go?” fragt eine süße, leicht mollige schwarzhaarige Dame, die ordentlich was unter der weißen Bluse trägt.
“Bai Pattaya, khap” ist seine Antwort wie von früher gewohnt und aus einem Reflex entsprungen, der 20 Jahre jünger als sein wirkliches Alter ist.
“Bai duai, khaaaa” antwortet sie mit einem unverschämten Lächeln und vor Hans’ geistigem Auge sieht es so aus, als ob sich ihre Blusen-Knöpfe wie von alleine öffnen. Selbst ihr Mund scheint angenehm sündiges zu versprechen.
Hans freut sich. Es gibt Konstanten im Leben. Und gerade begegnet er solch einer Konstanten.. Er ist zwar ein Zigeuner, aber solche Erlebnisse beruhigen ihn, geben ihm verlässliche Koordinaten, an denen er sich entlang angeln kann um Neues zu wagen.
So lächelt er einfach sentimental aber kommentarlos und übergibt seinen Rucksack dem Fahrer, nicht ohne vorher 2000 Baht bezahlt zu haben.
Nein, er hat nicht gehandelt oder mit dem Preis gehadert, denn Hans ist auf Hansel-Tour. Mal einfach wieder nur tun, wozu das Thai-Lächeln ermutigt. Mal einfach wieder so handeln, als ob er wirklich der schönste, smarteste und netteste „Farang“ auf Erden wäre. Gehirn und jeglicher „common sense“ abgeschaltet. Geld ist Nebensache und lediglich Mittel zum Zweck. Der Zweck ist die Aufrechterhaltung der Illusion.
Die Entscheidung fällt für den Bang Na Motorway und nicht für die Chonburi-Stelzen-Autobahn. So sieht Hans zum ersten mal die Exit Schilder zum neuen Airport „Suvarnabhumi“, altindisch für “the land of gold.” Das „i“ am Ende wird nicht ausgesprochen.
Die Zeiten haben sich geändert. Als Hans erstmals in Don Muang landete, war der alte Airport eine einzige Baustelle, die “neuen” Terminals im Bau. Um so mehr festigt sich nun seine Überzeugung, dass es mal wieder Zeit für “Hansel Time” ist. Zurück in den wohltuenden Schoss der professionell weiblichen Thai-Bauchpinselei, die, wenn für Ernst genommen, Massage für die Seele und Droge fürs Hirn ist.
Um 20 Minuten vor 11 erreichen sie die Fast Food Raststätte auf der Höhe von Chonburi. Hans kauft ein paar Carabao, Lipo und Singh im 7/11 und muss leider feststellen, dass er das Bier nicht mitnehmen darf. Es ist noch keine 11 Uhr.
Schade, eine Konstante weniger. Aber was soll’s. Die haben Glück gehabt, dass er nicht gerade wie früher aus Saudi kommt. Dann hätte es nämlich eine gehörige Szene gegeben. Von wegen, ob sie denn alle muslim-mässig übergeschnappt und Kamelfi**er wären.
Egal. Hans weiß nun, dass er sich ganz besonders auf seine Hanselnummer in Patty konzentrieren und die Konstanten ausloten und wenn nötig, neue Rituale an den Bier-Bars erfinden wird.
Der Fahrer ist Ok und sagt: “you want smoke?“ und genehmigt sich selber eine. “mai put my company sign in Pattaya.”
was bedeutet, dass er, der Fahrer, sich bei der Ankunft in Pattaya im Thai Limousine Büro registrieren muss und Hans dort gefälligst die Klappe übers Rauchen halten soll.
Schon wieder ein Konstante. Hans wundert sich langsam, ob ihm dieser Trip was neues bringt oder nicht.
Das Thai Limousine Büro Pattaya ist gerade mal eine Seitenstrasse von der Soi Wongamat entfernt, nämlich dort, wo die Dice Disco ist, eine Seitenstrasse der Naklua Road nicht weit von der Susi Bar.
Die Empfangsdame möchte Hans zu gewissen Touren überreden, aber Hans macht ihr klar, dass er sein Town House in der Soi Wongamat zwecks Plünderung besucht. Sie wechselt sofort die Strategie und bewundert seinen Ring, den er sich vor 20 Jahren in Thailand hat machen lassen. Welche Steine es wären, in welchem Geschäft gekauft, ob er verheiratet wäre, ob sie ihn zum Haus begleiten dürfe, etc.
Hans ist aber noch nicht ganz angekommen und noch nicht bereit zum Hanseln.
Kurz vor seinem Town House trifft er Brian, seinen langjährigen und konstanten Nachbarn. Er erzählt, wie Hans’ bester Freund Ostern gestorben ist, nämlich kurz und entschlossen, genauso, wie er gelebt hat.
Hans und Werner hatten sich das Town House vor 10 Jahren zusammen gekauft. Werner hat sich nach seiner Entlassung von einer globalen Firma vom Arbeitsamt verabschiedet und ist für immer in Thailand geblieben. Er war einer der ersten Drachenflieger Deutschlands und hat sich fast alle seine Knochen gebrochen. Sein Körper war ihm lediglich eine zu herausfordernde Hülle für seine hohen Ansprüche an die ungesunden aber spaßmachenden Dinge des Lebens.
Werner hat seinen Tod mit 62 Jahren redlich verdient. So viel steht fest.
Brian ist drauf wie immer und schwätzt viel über Werners langjährige Freundin, die gerade in Deutschland weilt. Hans steht nicht besonders auf Labereien der Nachbarn über Nachbars Holden und geht die paar Schritte zu seinem Haus.
Werners Freundin hatte ihn vorher von Deutschland aus ein paar mal angerufen und nach Geld gefragt. Nach viel Geld. Vorher würde sie nicht ausziehen.
Das war’s. Eine weitere Konstante in Hans’ Leben. Wer ihm Bedingungen stellt, hat schon verloren.
Als Hans sein Haus betritt, macht ihm ein gespielt scheues aber modern und ziemlich sexy gekleidetes Mädel im eng ausgeschnittenen Top und kurzen Höschen , Anfang 20, den wai….
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