Flashback
Budapest, 16.10.06
Mist, ich muss noch dringend meine Bude aufräumen, aber ich hab so ganz und gar keine Lust, aber vielleicht mag er es ja, wenn hier überall Heels und Höschen herumliegen. Zu müde, gehe wieder ins Bett, die Nacht wird sowieso wieder lang werden.
Budapest, 17.10.06
Wieso meldet sich der Arsch nicht. Wehe er kommt nicht, bin extra schon um 12 aufgestanden, hab dann doch nicht aufgeräumt, muss noch zum Friseur und neue Schuhe kaufen.
Schreibe ihm ne SMS, keine Antwort. Doch. Er raucht gerade seine letzte Zigarette und steigt gleich ein. Packe meine Sachen, muss noch kurz nach Buda, was abholen, dann mit dem Taxi zum Flughafen. Rauchverbot. Wie ich das hasse. Wo bleibt der Kerl?
Da ist er. Ups, er hat zugenommen, hat wohl zu wenig Bewegung zu Hause, das werden wir ändern. Er sieht mich, lächelt, da ist es wieder. Denke an unser letztes Date in Paris, er kommt auf mich zu, wir umarmen uns, stehen eine Ewigkeit einfach nur da. Schön. Merke wie gut mir das tut, gefällt mir nicht oder doch?
Wir setzen uns, sein Englisch ist wieder eine Katastrophe, wie immer in den ersten ein, zwei Tagen. Weiß gar nicht, was ich jetzt sagen soll, eigentlich gar nichts, am besten einfach hier so weiter stehen. Wieso hab ich den Mistkerl so sehr vermißt? Er bringt mich zum Lachen, bin froh, dass er endlich da ist, aber wir haben nicht viel Zeit, schnell zum Taxi, heim und Kalorien verbrauchen.
Wieso trödelt der so? Schon lustig, einerseits nervt es mich, wenn er nicht so springt wie die anderen, andererseits... ist es genau das, was mich reizt auch wenn es mich wahnsinnig macht.
Endlich im Taxi. Er hält meine Hände, wie immer zu kalt, sagt er. Wir werden die Tage Handschuhe kaufen gehen. Was der noch alles weiß?!
Zuhause bei mir. Hätte vielleicht doch aufräumen sollen. Was soll´s, wenn es ihm nicht paßt, kann er ja selbst Hand anlegen.
Tatsächlich geht er zu meinem offenen Kleiderschrank und macht ihn zu, schließt meine ganzen offenen Schubladen, kann der Gedanken lesen?
Nimmt mich in den Arm, wieder stehen wir nur da. Los, reiß mir die Kleider runter! Nimm mich!
Aber der Scheißkerl rührt sich keinen Milimeter, gehe ihm direkt an die Hose. Er nimmt meine Hand küsst sie, zieht den Arm wieder um seinen Hals.
Was soll das jetzt? Heute Nacht werden die Jungs wieder Schlange stehen um ihre Kohle bei mir zu lassen, und der will mich nicht?
Wir landen auf der Couch, nichts passiert, spüre seinen Atem an meinem Hals, kann ihn riechen, erinnere mich, dann liegen wir einfach nur da und es ist gut wie es ist.
Habe langsam Hummeln im Hintern, muss mich fertig machen, mein Boss ist ein Arschloch und jede Minute zu spät, gibt wieder Stress. Wir fahren in die Stadt, laufen durch die Straßen, will, dass er meine Hand nimmt, macht er auch, geht nicht, wenn mich wer sieht, gibt das Ärger, zicke ein wenig.
Er grinst nur. Wieso gebe ich mir das? Wir verabschieden uns, erreiche die Bar. Blablabla. Immer das gleiche Geschwätz, wir machen doch sowieso erst um sieben auf. Mache mich fertig.
Punkt sieben stehen die ersten Freier vor der Tür, bin in Gedanken ganz woanders, was der wohl jetzt macht? Bestimmt ist er unterwegs und sucht sich eine Schlampe für den Abend. Schreibe ihm.
Er ist im Cafe Anna am Laptop.
Die Jungs sind heute wieder geizig, ist es so schwer zu verstehen, dass mein Lächeln und mein Interesse ihren Preis haben?! Dann setzt sich ein Italiener zu mir, oh nein, die wollen immer gleich in die Kiste, aber meist macht es auch Spaß, Sie hinzuhalten und viele Ladydrinks rauszuholen.
Ob er immer noch im Cafe Anna ist?
Schreibe ihm. Der blöde Italiener will mich nicht weglassen, wundert sich, dass ich schon wieder aufs Klo will.
Keine Antwort. Wo steckt der Scheißkerl? Bestimmt wird er nicht warten. Er antwortet. "Shure, i will wait for you."
Irgendwie geht die Nacht rum, renne ins Marriott, rauche noch eine mit meinem Lieblingsportier. Tatsächlich, er sitzt oben im Internetraum, ich beobachte ihn über die Kamera, wird Zeit, dass wir nach Hause kommen.
Wir nehmen ein Taxi, fahren zu mir, bin totmüde, wir lachen, gehen ins Bett, liege in seinem Arm, schlafe ein.