Eine erneute Chance
Inzwischen bahnt sich bei mir zu Hause eine Lösung an. Und die Lösung ist, ihr ahnt es schon, so ziemlich auf der politischen Seite angesiedelt.
Mama sagte zu mir kürzlich, ich sei genauso wie „Limtom“, nur meine Haare wären weisser. „Limtom“ stände nämlich auch auf junge Mädels, wäre aber selbst den älteren Semestern nicht abgeneigt. Zwar würde er Zigarren rauchen, aber mein Zigaretten-Konsum mit all dem damit verbundenen Qualm käme dem der dicken Dinger in etwa gleich. Ausserdem hätte er den Buddhismus wohl ganz leicht instinktiv verstanden, anders als ich nur Angelesener, nämlich dass zu einem trockenen politischem Leben eben auch ein bisserl Vergnügen gehört, sonst wäre das ja alles kein „Sanuk“ und nur leidvoll.
Dies alles gestand sie mir, nachdem wir im Arte-Kultur-Sender eine Dokumentation über Clinton zusammen geschaut haben. Ich wage mich ja gar nicht, irgendeinen anderen Sender einzustellen, SAT3 vielleicht noch, denn dort geht es auch um Kultur, die, wie wir alle wissen, die Thaimenschen so überaus interessiert und die sie auch durch und durch leben. Dadurch verpasse ich oft einen guten Action-Film oder eine dieser immer interessanter werdenden Soap Operas und Nachmittags Talk Shows. Aber wie schon gesagt. Ich bin einfach sehr selbstlos, wenn es um Thais und deren Verlangen nach Kultur geht.
Sie leben sogar in einem absoluten Kultur-Wettstreit untereinander. „Was die andere hat, möchte ich auch haben“, hat meine Lütte oft genug zu mir gesagt. Das fängt mit einem sehr künstlerischen Design eines Edelstein-Ringes an, den eine andere besitzt, und hört bei der Tasse Tee morgens ans Bett kredenzt auf, weil eine ihrer Freundinnen mal erwähnte, wie kulturell stilvoll ihr Ehemann ihr den Tee zu jeder Tages- und Nachtzeit servieren würde. Der würde sogar nach dem Spülen auch noch abtrocknen. Letzteres ginge mir aber zu weit. Selbst in der Kommune damals in den 60zigern haben wir uns das Spülen und Abtrocknen geteilt. Beides ist für einen Mann einfach nicht drin.
Beim Edelsteinring ist es bei ihr wie bei echten Kunst- und Kulturliebhabern auch. Da spielt der Preis keine Rolle. Daran erkennt man halt den wirklichen Kunst-Sachverständigen. Da können wir uns bei so mancher Thai noch einen Faden abschneiden.
Schon wieder abgeschwiffen (war das jetzt alte oder neue Rechtsschreibung?), aber ich kenne halt die Thai-Kultur so genau und tiefgehend, dass manchmal mein Gaul mit mir durchgeht.
Ich verstand Mamas Wink mit dem Zaunpfahl sofort und mir kam endlich die Erleuchtung…
Clinton ist ja einer von uns. Der hatte bestimmt auch „oben ohne“ Bilder von der Uschi in seiner Studentenbude in England an der Wand. Und die kleine Inhalations-Flunkerei hat ihm sogar Keith Richard von den Stones nicht übel genommen, und der ist viel Stärkeres gewöhnt. Besonders Zeugs, das nicht zur Inhalation geeignet ist. Wenn ich’s mir recht überlege, hat uns Clinton wohl gar nicht belogen, mit nicht inhaliert und so. Der hat wahrscheinlich an der Nadel gehangen, beim Schuss in die Arm-Vene die Luft angehalten und eben nicht eingeatmet.
Als ich heute vom Office nach Hause kam, zog ich mich nicht um, sondern löste nur ganz lässig meine Krawatte, krempelte mir echt Amerikanisch die Ärmel ein bisserl hoch und nahm auf dem bequemsten „Chef-Sessel“ in meinem „Oval-Office“ Platz. Vorher kämmte ich mir noch einen nur leicht angedeuteten Seitenscheitel, legte meine „Havanna“ zurecht und wartete auf meine Lütte. Die kam Gott sei Dank noch vor 8 Uhr Abends nach Hause.
Ihre Blicke hättet ihr sehen sollen. Heute Abend mal keine Office-Leiche im Unterhemd und Trainingshosen quer über die Couch geflegelt, sondern das Ebenbild „Limtom’s“ in korrekter Sitzhaltung im Amtszimmer. An der Wand hinter mir die amerikanische Flagge. Die habe ich mir in den 60zigern heimlich unter den Nagel gerissen und immer gut versteckt. Die hat nämlich Seltenheitswert, da sie wie die anderen eigentlich verbrannt hätte werden sollen.
Mama griemelte verschmitzt einfach vor sich hin. So wie es die Thais besonders gut können. Gar nicht eifersüchtig, denn sie wusste ja, dass Limtom trotz Eskapaden mit den kleinen Mädels im Endeffekt zum älteren Semester hält.
Pünktlich um 8 Uhr steckte ich mir meine „Havanna“ mit einem Streichholz an und forderte meine Lütte auf, sich auf die Lehne meines „Amtssessels“ zu setzen.
„Jetzt wird Tagesschau geschaut, Süsse (Beinahe hätte ich Moni gesäuselt). Mal sehn‘, was die Amis schon wieder angezettelt haben.“ sagte ich mit sonorer Stimme, natürlich mit absoluten Limtom-Charme und wie immer zu einem Scherz bereit, wie es die Thai-Mädels ja so lieben.
Wie ihr wahrscheinlich schon gemerkt habt, habe ich mich mittlerweile wg. der nur zehn Jahre jüngeren Mama ausgeschämt, sonst würde ich ja meine Geschichte nicht so einfach mir nichts dir nichts in ein öffentliches Forum stellen. Für die weiblichen Twens habe ich mich ja nie geschämt. Die liegen uns älteren Herren ja im Blut.
Meine Selbstlosigkeit dürfte inzwischen auch vom letzten Hansel erkannt worden sein. Denn das „Selbst“ ist eine Illusion, wie Buddha sagt. Dat jibbet nit, auch wenn man sich noch so sehr an dieses klammert. Es führt nur zum Leiden. So fällt mir die Selbstlosigkeit auch gar nicht mehr so schwer, denn ich habe beschlossen, nicht mehr unter mir zu leiden. Solln’ das doch die anderen Ignoranten tun. Ich für mein Teil tu so, als wenn mein Teil gar nicht existieren würde. Falls die anderen (besonders die Frauen) glauben, dass es wirklich existiert, solln’ sie ruhig ihren Spass damit haben.
Womit wir wieder beim Thema sind. Aber Vorsicht. In meiner Selbstlosigkeit weiss ich manchmal nicht mehr so recht, was sich geziemt. Versucht einfach mal selbstlos weiter zu lesen.
Wir sitzen also vor der kulturell gefärbten Tagesschau, meine Kleine auf der Sessel-Lehne und Mama in Hintergrund ihre Häkelnadeln niedersinken lassend. Das Mundende meiner Zigarre färbt sich langsam von der Feuchtigkeit meiner Lippen dunkel. Meine „mia“, immer noch atemlos vor lauter Unverständnis tut vor lauter Ratlosigkeit das, was sie besonders gut kann, nämlich aufknöpfen. In diesem Fall zwei Hemdknöpfe und führt ihre kleinen süssen Händchen über meine Nippel. Irgendwie hat sie gemerkt, dass dies ein besonderer Abend ist.
Da ist sie wieder. Diese absolut schnelle emotionale Auffassungsgabe der Thais für spezielle Situationen. Das haben die einfach drauf.
Gerade sagt mein alter Kumpel Fischer, dem ich lediglich diese grüne Verbotspartei übel nehme, dass Austria wohl eine kleine Auszeit in der EU wg. Heidars Wahlerfolg benötigt. In mir kommt Hochstimmung auf. Heisst das doch, dass Austria die bisher immer noch lockere Visa-Regelung für Thais, fern von Schengen, eine Weile beibehalten wird, sodass Mama mit ihrer „Oil of Olaz“ Dose uns locker weiter besuchen kann.
Und jetzt geschieht das Wunder. Ich dulde die antörnenden Händchen meiner Kleinen auf meinen sich langsam aufstellenden Zipfeln. Schiebe sie nicht verächtlich weg, weil es um ernste Politik geht. Das Mundende meiner Zigarre wird klitschnass. No way, mit ihr den erweiterten Clinton zu spielen. Denn ich hasse Tabakgefusel an strategischen Frauen-Körperteilen. Da stört Nikotin nur. Bisher konnte ich beim Geschlechtsakt immer auf meine Zigaretten verzichten. Muss aber zugeben, dass es mir, seitdem mein Höhepunkt immer länger auf sich warten lässt, zunehmend schwerer fällt. Immer öfter kommt der Gedanke an die nächste Zigarette beim schnackseln auf. Da muss ich noch etwas an meiner Selbstlosigkeit arbeiten.
Endlich habe ich die Synthese von Politik und „sanuk“ und „siau“ geschafft. Endlich habe ich den wichtigsten Teil der Thai-Kultur mit meiner eigenen Kultur vereinigt. Und wie es bei einer Vereinigung mal so ist, törnt die verdammich an. Ab jetzt kann ich mich politisch sogar vergnügen, und nicht immer, wie die Stammtischbrüder, sich gegenseitig in die Fresse hauen.
Mama sieht mein plötzlich synthetisch selbstloses Gesicht von der Seite und hockt sich neben den Sessel. Ihr Sarong öffnet sich und ich werfe einen verstohlenen Blick auf ihre Schenkel, mit einer Haut, die einer Magd, Mitte zwanzig, auf einem Oberschlesischen Bauernhof alle Ehre machen würde. Ihre Hand wandert meinen Oberschenkel hinauf, und das obwohl sie total unpolitisch ist.
Meine „mia“ jubelt gerade, als sie sieht, wie sich Kahn gebeugt seine Eier hält, nachdem ihm ein Stürmer von Mönchen Gladbach aus Versehen in die Weichteile getreten hat. Wir sind schon beim Sportteil, den ich sonst immer wegschalte. Sie lacht sich halb tot und ruft immer wieder prustend vor Lachen: „kai djep, kai djep.“ Dem tun die Eier weh.
Nun weiss auch ich, dass sie die Synthese gefunden hat. Meine Kultur und ihre vereinigt sich gerade in diesem Augenblick in ihrem Kopf zu etwas, was Spass macht.
Mama sieht es offensichtlich genauso, denn sie öffnet meine Hose…
Sagt mal ehrlich, hättet ihr in diesem Moment nicht auch Hoffnung geschöpft? Nämlich, dass alles wieder gut wird? Bitte bleibt in euren Gedanken bei mir, auch wenn es mich und mein selbst eigentlich gar nicht gibt. Es geht bald weiter…